Plattdeutsch - Lütt-Mariken beim Eis essen

Hallo, ich bin Lütt-Mariken und ein echtes Kind der Küste. Seitdem ich klein bin, spreche ich Plattdeutsch. Was Plattdeutsch ist? Das erfahrt ihr hier.

Inhaltsverzeichnis

Niederdeutsch oder Plattdeutsch?

Hast du dich auch schon mal gefragt, warum Niederdeutsch auch Plattdeutsch genannt wird? Kommt es von „Ich bin platt“, „Da bist du platt“, oder vom Plattfisch, Plattfuß oder platten Land? Ich habe mich im Land umgehört und den Leuten dazu Löcher in den Bauch gefragt.

Lütt-Mariken hat herausgefunden, dass die Begrifflichkeiten Plattdeutsch und Niederdeutsch synonym verwendet werden. Plattdeutsch ist der umgangssprachlichere Begriff, Niederdeutsch ist fachlicher und wird in der Wissenschaft verwendet. Platt kommt aber nicht von „platt“, sondern vom niederländischen Wort „plat“ und bedeutet „flach, eben, klar, deutlich, jedermann verständlich“. Weitere Bezeichnungen sind:

Plattdü(ü)tsch, Plattdü(ü)tsk, Plattduitsk, Nedderdü(ü)tsch, Nedderdü(ü)tsk, Nedersaksisch

Plattdeutsch oder Niederdeutsch ist eine Regionalsprache, die in acht deutschen Bundesländern gesprochen wird. In acht Bundesländern? Ganz genau. Plattdeutsch spricht man in:

  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Schleswig-Holstein
  • Hamburg
  • Bremen
  • Niedersachsen
  • in Teilen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Nordrhein-Westfalens

Auch im Osten der Niederlande wird Niederdeutsch gesprochen, von ca. 1,8 Mio. Menschen. Darüber hinaus sind auf der ganzen Welt die Plautdietschen anzutreffen. Plautdietsch ist eine niederpreußische Variante des Ostniederdeutschen und wird von ca. 500.000 Menschen weltweit gesprochen, u.a. in Deutschland, Russland, sowie Nord- und Südamerika. Auch wenn das Plautdietsche in Aussprache und Schreibweise stark vom Plattdeutschen abweicht, können sich Plautdietsche und Plattschnacker nahezu problemlos verständigen. 

Wie hat sich die plattdeutsche Sprache überhaupt entwickelt? 

Die Sprache entwickelte sich aus dem sogenannten Altsächsischen. Das wurde von dem germanischen Stamm der Sachsen zwischen 150 und 1200 nach Chr. gesprochen.

Der Zeitraum vom 13. bis zum 16./17. Jh. ist die Zeit des Mittelniederdeutschen – die Blütezeit der niederdeutschen Sprache. Sie war vorherrschende Schriftsprache im gesamten Ostseeraum und wurde von nahezu jedem Norddeutschen gesprochen. Da die Hanse zum Ende des 15. Jh. an Bedeutung verlor, schwand auch das Ansehen des Niederdeutschen.

Nach und nach wurde in Norddeutschland das dominierende Niederdeutsch vom Hochdeutschen abgelöst. Zunächst in den gehobenen Gesellschaftsschichten, später in der gesamten norddeutschen Bevölkerung. Über Jahrhunderte hinweg galt Plattdeutsch als Sprache der einfachen Leute. Heute ist sie im alltäglichen Leben nahezu verschwunden.

Aber eben nur nahezu. Denn die Vielfalt der neuen Medien erlaubt es, dass sich Videos, Podcasts, Radiosendungen und sogar Live-Lesungen im Netz rasend schnell verbreiten und immer mehr Menschen erreichen. Aber auch das Austragen von Plattdeutschwettbewerben findet in der Bevölkerung immer mehr Interesse und Begeisterung. Auch Lütt-Mariken möchte mit ihrer Seite dazu beitragen, die plattdeutsche Sprache am Leben zu erhalten und zu verbreiten.

Wo findet man Platt? 

Lütt-Mariken hat sich im Land umgesehen und viele Menschen gefunden, die sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache einsetzen und ihre Verbundenheit zu ihrer Muttersprache mit anderen teilen:

  • plattdeutsche Vereine
  • plattdeutsche Theater(gruppen)
  • plattdeutsche Dichter
  • plattdeutsche Schriftsteller
  • plattdeutsche Musiker
  • Verkäufer*innen, Pflegekräfte, Mitarbeiter*innen in Museen, Stadtführer*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, …

Um die Plattdeutschakteure sichtbar zu machen und miteinander zu vernetzen, wurde im Jahr 2020 der „Atlas Niederdeutsch“ vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Hier kann sich jeder anmelden, der Plattdeutsch spricht und die Sprache nutzt – im Alltag, bei der Arbeit, für kulturelle Programme.

 

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens trifft man auf die plattdeutsche Sprache: plattdeutsche Straßennamen, zweisprachige Ortstafeln, Statuen sowie Denkmäler berühmter plattdeutscher Persönlichkeiten, plattdeutsche Beschriftungen und Produkte in regionalen Lebensmittelgeschäften, Kitas, Horte und Schulen mit plattdeutschen Namen. Wer mit offenen Augen und einem gewissen Gespür durch die Straßen geht, wird sicherlich eine Menge spannender Hinweise zur niederdeutschen Sprache finden.

Hochdeutsch-Plattdeutsch übersetzen


Schutz des Plattdeutschen 

Auch die Regierung weiß um die Bedeutung der plattdeutschen Sprache und ihren kulturellen Mehrwert. Mit der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen hat sich Deutschland dazu verpflichtet, die plattdeutsche Sprache zu schützen und zu pflegen. Der Bundesraat för Nedderdüütsch vertritt dabei die Interessen der Plattdeutschsprecher auf Europa- und Bundesebene. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben die Pflege des Plattdeutschen zusätzlich in ihren Landesverfassungen gesetzlich geregelt.

Plattdeutsch und Jugend

Besonders begeistert war Lütt-Mariken, als sie Kindertageseinrichtungen und Schulen mit unterschiedlichsten Plattdeutschangeboten fand. Zum Beispiel:

  • pädagogische Fachkräfte/Lehrkräfte, die ihre Plattdeutschkenntnisse an die Kinder weitergeben
  • externe Plattdeutschsprecher, die wöchentlich in die Einrichtung kommen und mit den Kindern und Erzieher*innen Platt schnacken
  • plattdeutsche Nachmittage für Eltern und Kinder
  • Plattdeutsch als (Wahlpflicht-)Unterrichtsfach in Grund- und weiterführenden Schulen
  • Plattdeutsch im fächerübergreifenden Unterricht

Der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns ist sehr daran gelegen, dass die plattdeutsche Sprache bereits an die Jüngsten weitergegeben wird. 2019 wurde vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern eine sogenannte „Heimatschatzkiste“ kostenfrei an alle Kitas und Horte verteilt. Darin enthalten sind u.a. plattdeutsche Kinderbücher und Spiele, sowie eine didaktische Handreichung mit Anregungen für die plattdeutsche Sprachvermittlung. 

Diese plattdeutschen Materialien sind Teil der Heimatschatzkiste:

  • M. u. J. Bojarra: „Plattdütsch mit Lütt Mariken“ (Eigenverlag)
  • N. Ashtarany: „Paul un Emma schnacken Plattdütsch“ (Quickborn-Verlag)
  • S. u. S. Bliemel: „Kaspar un de Klabauterkatt“ + Lehrmaterial (Hinstorff-Verlag)
  • V. Scholz: „Platt för Lütte“ (Sonderausgabe des Schünemann Verlags)
  • „Mariken Memo“ (Klatschmohn-Verlag)

Seit 2016 ist es für Schülerinnen und Schüler in M-V möglich, das Abitur auf Plattdeutsch abzulegen. Im Jahr 2020 wurde der erste Plattdeutschabsolvent verabschiedet.

Der Landschaftsverband Stade hat mit der „Plattdüütsch Schatzkist“ eine plattdeutsche Mediensammlung entwickelt, die kostenfrei von Schulen und Kindergärten ausgeliehen werden kann. Bilderbücher, Spiele, Lieder, Arbeitsmaterialien, CDs und DVDs sind nur ein kleiner Teil der „Plattdüütsch Schatzkist“.

Es werden Wettbewerbe ausgerichtet, bei denen Kinder und Jugendliche ihre erworbenen Fähigkeiten unter Beweis stellen können, indem sie plattdeutsche Texte vorlesen, plattdeutsche Gedichte vortragen, plattdeutsche Lieder singen und plattdeutsche Spielszenen darbieten.

Um auch junge Erwachsene für die plattdeutsche Sprache zu begeistern, finden u.a. Poetry Slams und Band-Contests auf Plattdeutsch statt. „Plattbeats“ ist der größte Song-Contest in Norddeutschland. Hier haben Amateurmusiker zwischen 15 und 30 Jahren die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Ob Rock, Pop, Hip Hop, Metal, Alternative, …, alles ist erlaubt. Einzige Bedingung, der Text muss auf Platt sein.

Plattdeutsch in Funk und Fernsehen

Plattdeutsche Fernseh- und Radiosendungen, plattdeutsche Kolumnen in den Tageszeitungen, plattdeutsche Podcasts und YouTube-Videos – die Präsenz des Plattdeutschen in den Medien ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, dass sich die plattdeutsche Sprache weiterverbreitet und immer und überall zugänglich ist.

 

Lütt-Mariken hat sich in den beiden Bereichen Radio und Fernsehen genauer umgesehen und spannende Sendungen gefunden, die regelmäßig ausgestrahlt werden:

Plattdeutsches Radioprogramm  
„De Plappermoehl“NDR 1 Radio MVletzter Samstag im Monat (19.05 Uhr)
„De Klönkist“NDR 1 Radio MVsamstags (19.05 Uhr)
„De Woch up Platt“NDR 1 Radio MVfreitags (18.15 Uhr)
„Plattdütsch an’n Sünndag“NDR 1 Radio MVsonntags (6.05 & 9.00 Uhr)
„SW-Radio Plautdietsch“Radio Segenswelletäglich
„Plattdüütsch Narichten“Bremen EinsMontag & Freitag (10.30 Uhr)
„Wat up Platt“Radio Lohrojeden 1. Samstag im Monat (13.00 Uhr)
„Wi snackt Platt“NDR 90,3sonntags (8.30 Uhr)
„Narichten op Platt“NDR 90,3Montag - Freitag (9.30 Uhr)
„Hör mal ‘n beten to“NDR 90,3Montag & Freitag (13.20 Uhr), samstags (10.40 Uhr)
RadiokircheNDR 1 Welle Nordmontags (19.04 Uhr)
„Düt un Dat op Platt“NDR 1 Niedersachsenfreitags (19.05 Uhr)
„Plattdeutsch: Themen op Platt“NDR 1 Niedersachsenjeden 2. Montag (19.05 Uhr)

Plattdeutsches Fernsehprogramm
SendungSenderAusstrahlungszeit
„Hallo Niedersachsen – op Platt“NDReinmal im Monat, sonntags (11.00 Uhr)

 

Du kennst eine plattdeutsche Radio- oder Fernsehsendung, die hier noch nicht aufgeführt ist? Dann schreib Lütt-Mariken gerne deinen Vorschlag. Sie wird diesen schnellstmöglich prüfen, um ihn in der Tabelle zu ergänzen. –> zum Kontaktformular 

 

Plattdeutsches Theater

Hast du dir schon einmal ein plattdeutsches Theaterstück angesehen? Nein? Dann hole das unbedingt nach. Ich gehe zu gerne ins Theater, vor allem wenn dort plattdeutsche Stücke gespielt werden. Das klingt einfach zu schön. 

Oh ja, Lütt-Mariken liebt das plattdeutsche Theater. Vor jeder Vorstellung rutscht sie aufgeregt auf ihrem Sitz umher und wartet sehnlichst darauf, dass es endlich losgeht. Sobald sich der Zuschauerraum verdunkelt, sich der Vorhang langsam öffnet und die Scheinwerfer die Bühne erleuchten, dann schaut Lütt-Mariken ganz gebannt auf die Bühne und lässt sich von nichts und niemandem stören. Sie taucht ein in eine andere Welt, lauscht aufmerksam den plattdeutschen Worten und verfolgt Schritt und Tritt der Darsteller.

Zu gerne würde sie, wenn sie groß, ist auch auf einer Bühne stehen und die Zuschauer zum Lachen, Weinen und Jubeln bringen. Bis es soweit ist, genießt sie die Aufführungen der Niederdeutschen Bühnen und Theatergruppen. Zum Glück gibt es im Land unzählige und kein Stück gleicht dem anderen.

Schon gewusst: Das Niederdeutsche Theater ist Immaterielles Kulturerbe!

Plattdeutsche Theaterstücke müssen nicht immer Schenkelklopfer sein. Auch ernste Themen lassen sich in plattdeutscher Sprache auf die Bühne bringen. Aber Lachen ist gesund und so erfreuen sich (Kriminal- und Verwechslungs-)Komödien besonders großer Beliebtheit beim Publikum. In Deutschland gibt es zwei plattdeutsche Berufsbühnen. Das Ohnsorg-Theater in Hamburg und die Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin.

Aber viele weitere Bühnen und Theatergruppen finden sich in Norddeutschland, die zum Teil in Niederdeutschen Bühnenbunden (NBB) zusammengeschlossen sind. Im Niederdeutschen Bühnenbund M-V sind das die Niederdeutschen Bühnen in Rostock, Wismar und Neubrandenburg, sowie „De Plattdütsch Späldäl to Stralsund“ und „De Schönbarger Späldäl“. Dem NBB Niedersachsen/Bremen und dem NBB Schleswig Holstein gehören jeweils 16 niederdeutsche Bühnen an.

Als Lütt-Mariken hörte, dass es auch plattdeutsche Kindertheatergruppen gibt, war sie Feuer und Flamme. Sie möchte unbedingt ins Theaterleben reinschnuppern und wer weiß – vielleicht steht sie schon bald auf einer richtigen Bühne.

Plattdeutsche Bücher

Plattdeutsch: Buchbände von Fritz Reuter

Im Radio, in der Zeitung, im Fernsehen und im Internet habe ich Plattdeutsch entdeckt. Aber es gibt auch jede Menge plattdeutscher Bücher für große und kleine Leute.           Foto: Lütt-Mariken


Lütt-Mariken ist eine große Bücherfreundin. Besonders die Riemels von Klaus Meyer, Ursula Kurz und Rudolf Tarnow haben es ihr angetan. All jene haben sie inspiriert ein eigenes plattdeutsches Bilderbuch zu veröffentlichen. Mit „Plattdütsch mit Lütt-Mariken“ möchte sie Klein und Groß spielerisch an die plattdeutsche Sprache heranführen.

Lieblingsbücher von Lütt-Mariken:
„Plattdütsch mit Lütt-Mariken“ (J./M. Bojarra)
„Pußti, mien Pußti“ (Klaus Meyer)
"Plietsch möt'n sin" (Ursula Kurz)
"Geesche geiht up Tour" (Gerd Spiekermann)
„Rüter-Püter“ (Rudolf Tarnow)
„Kaspar un de Klabauterkatt“ (S./S. Bliemel)

Die Liste von plattdeutschen Schreibern ist lang. Angefangen bei Fritz Reuter, Klaus Groth, John Brinckman und Rudolf Tarnow lässt sie sich noch ewig fortsetzen. Denn jedes Jahr werden neue Bücher in plattdeutscher Sprache herausgegeben, von alten und neuen Schreibern.

Ans Lesen plattdeutscher Werke traut sich jedoch nicht jeder heran. Dabei bedarf es gar nicht viel – ein plattdeutsches Buch, ein plattdeutsch-hochdeutsches Wörterbuch zum Übersetzen unbekannter Wörter, eine kleine Portion Mut und Geduld und schon kann es losgehen.

Lässt man sich auf die Herausforderung ein und hat die ersten Hemmungen überwunden, wird es von Seite zu Seite einfacher.  Als Alternative gibt es auch zahlreiche Hörbücher, die beim Lesen und bei der Aussprache helfen können. 

Hier kannst du dir ein schönes Beispiel aus Nordfriesland anhören: